
Liebe Leserinnen und Leser,
heute geht es um Vielfalt als Wirtschaftsfaktor – und darum, warum meine Arbeit in Peru, die Pflege meiner Eltern und die Zukunft von Familienunternehmen dieselbe Antwort haben:
Deutschland braucht Menschen mit Mut und unterschiedlichen Perspektiven.
Ich bin Gründungsmitglied von „Made in Germany – Made by Vielfalt“. Und ich sage es gleich: Dieser Podcast wird nicht parteipolitisch. Er wird wirtschaftlich. Und persönlich.
Denn es geht um Menschen, die unsere Wirtschaft tragen. Um Familienunternehmen, die Zukunft brauchen. Und um Zivilcourage, die im Alltag beginnt – auch am Arbeitsplatz.
Pflege, die trägt
Beide meine Eltern sind im Pflegeheim – oder waren es. Dort arbeiten wunderbare Menschen, ohne die unser Gesundheitssystem aufgeschmissen wäre.
Ein großer Teil der Mitarbeitenden hat keine ursprünglich deutsche Staatsangehörigkeit. Sie sind Fachkräfte, Helferinnen oder arbeiten im sozialen Dienst. Ohne sie gäbe es keine verlässliche Versorgung in unseren Krankenhäusern und Altenheimen.
Der Lieblingspfleger meines Vaters hieß Hussein und kam aus dem Irak. Die Fachkraft im Wohnbereich meiner Mutter heißt Muhammed. Ich weiß nicht genau, woher er kommt – und das ist auch unwichtig. Er macht einen tollen Job.
In der Pflege ist der Anteil ausländischer Beschäftigter in zehn Jahren von 6,5 auf fast 19 Prozent gestiegen. Fast ein Viertel der rund 4,2 Millionen Menschen in Gesundheits- und Pflegeberufen ist zugewandert oder hat eine Einwanderungsgeschichte. Das ist keine Randnotiz. Das ist Versorgung. Das ist Wertschöpfung.
Offenheit wirkt
Ich komme gerade von einer Arbeitsreise aus Peru zurück. Ich bin unendlich freundlich aufgenommen worden: Menschen haben Türen geöffnet, mich übernachten lassen, obwohl sie mich vorher noch nie gesehen hatten, ihre Ideen geteilt und Räume geschaffen.
Diese Begegnungen sind für mich kein „nice to have“. Sie sind ein wirtschaftlicher Faktor.
Wenn Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Perspektiven gemeinsam an Lösungen arbeiten, entstehen bessere Ergebnisse. Genau das ist Vielfalt in der Praxis.
Und ja: Das braucht Mut. Wer sich für Offenheit positioniert, muss mit Widerspruch rechnen. Trotzdem: Gerade Familienunternehmen sehen sich in der Verantwortung, sich für wirtschaftliche Stärke, Wohlstand und Zukunftsfähigkeit einzusetzen.
Für ein Familienunternehmen heißt das konkret: vorhandene Fähigkeiten nutzen, unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und gemeinsam bessere Lösungen entwickeln. Ein zukunftsfähiger Standort braucht Offenheit für Menschen, Ideen und verlässliche demokratische sowie rechtsstaatliche Rahmenbedingungen. Ein Europa, das verbindet, ist dafür keine Luxusfrage – es ist Infrastruktur.
Mut im Alltag
Zivilcourage steckt im Mut, hinzusehen und zu handeln, wenn andere wegschauen. Einzugreifen, wenn Menschen angegriffen oder ausgegrenzt werden. Widerspruch zu äußern, wenn Grenzen überschritten werden. Für andere einzustehen – auch wenn es unbequem ist.
Das ist keine abstrakte Idee. Es ist Führungsaufgabe.
Wenn ich im Pflegeheim meiner Eltern sehe, mit welcher Haltung Menschen arbeiten – respektvoll, klar, zugewandt –, dann weiß ich: Genau diese Haltung brauchen wir auch in Unternehmen. Als Kultur. Als Wettbewerbsvorteil. Als Schutz gegen Zynismus und Spaltung.
Vielfalt zeigt sich dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen gemeinsam Verantwortung übernehmen und neue Ideen entwickeln. Für Familienunternehmen ist sie keine Theorie – sie ist Praxis.
Wo erleben Sie, dass Vielfalt einen Unterschied macht? Im Betrieb, im Team, in der Pflege, in der Führung? Schreiben Sie mir gerne. Ich freue mich auf Ihre Geschichte.
Haltung kann unbequem sein. Aber sie ist der Preis für einen Wirtschaftsstandort, der auch morgen noch funktioniert.
Made in Germany – Made by Vielfalt.
Podcast-Hinweis
Mehr dazu hören Sie in der aktuellen Folge meines Podcasts: Vielfalt als Wirtschaftsfaktor – warum Offenheit, Fachkräfte und Zivilcourage über Zukunft entscheiden.
👉 [Hier Podcastfolge anhören]
Die Initiative „Made in Germany – Made by Vielfalt“ ist inzwischen im gemeinnützigen Made by Vielfalt e.V. verankert und bringt Familienunternehmen für Vielfalt, Demokratie und Wohlstand zusammen.